Über uns

Wir, die Eheleute Tschorn, leben mit unseren beiden Töchtern in der schönen Gemeinde Rannungen im Landkreis Bad Kissingen in Unterfranken. Rannungen liegt 13 Kilometer nördlich von Schweinfurt im Schweinfurter Oberland am Rande zur Rhön.

Schriftlich belegt durch die Kirchenaufzeichnungen leben unsere direkten Vorfahren-Familien bereits seit mindestens 500 Jahren in Rannungen. Unser 1982 verstorbener Urgroßvater Leo Hofmann war von 1945 bis 1966 Bürgermeister von Rannungen. Heute ist hier eine Straße nach ihm benannt. Auch der Vater von Prof. Dr. Ludwig Erhard wurde in Rannungen geboren. Der 1977 verstorbene zweite Bundeskanzler und "Vater des Wirtschaftswunders" ist der Urgroßonkel 8. Grades unserer beiden Töchter. Der in Rannungen aufgewachsene Komponist und königlich bayerische Hofmusikdirektor Georg Valentin Röder ist Urgroßonkel 6. Grades unserer beiden Töchter.

Unser Ort Rannungen

Rannungen wurde erstmals in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda vom 20. Januar 772 urkundlich erwähnt. Die Einwohner unseres Wohnortes werden im fränkischen Dialekt als "Ranninger" bezeichnet. Und als "Gücker". Dieser Spitzname hat seinen Ursprung wohl im 16. Jahrhundert, als die Einwohner der Nachbardörfer Pfändhausen und Pfersdorf, die einige Höhenmeter unterhalb Rannungens liegen, in Rannungen schon frühmorgens Aktivitäten beobachteten. Die Rannunger standen also so früh auf, dass sie zusammen mit dem Gockel (Hahn) den Tag anbrachen. Der Vergleich mit den Hühnern ("Göger") verbreitete sich schnell und ist noch heute präsent.

Im Laufe der Jahrhunderte kamen verschiedene Adelsgeschlechter zu Besitztümern in Rannungen. Die Herren von Rannungen (aus dem Adelsgeschlecht von Henneberg) wurden seit dem 12. Jahrhundert erwähnt. Deren Nachfolge traten die Herren von Herbilstadt und von Münster an. Ab 1542 unterstand Rannungen mehrheitlich bis 1802 dem Hochstift Würzburg und gehörte zu derem fürstbischöflichen Amt Ebenhausen. Das heutige Rannunger Gemeindewappen enthält das schwarze Kreuz des Klosters Fulda und das Familienwappen der Herren von Herbilstadt.

Von 1802 bis 1804 war Rannungen Teil des Landgerichts Mainberg, ab 1804 des Landgerichts Münnerstadt und wurde 1862 schließlich dem neu gebildeten Bezirksamt (seit 1939 Landkreis) Kissingen (seit 1883 Bad Kissingen) zugeteilt. Die Pfarrei Sankt Bonifatius in Rannungen wurde erstmals 1187 erwähnt. Zwischen 1820 und 1902 wanderten 48 Personen von Rannungen meist nach Nordamerika aus. Mit Wilhelm Erhard, der nach Fürth zog, war auch der Vater des späteren Bundeskanzlers Ludwig Erhard (Cousin 8. Grades unserer Urgroßmutter) dabei. Von 1900 bis 1960 hatte Rannungen durch die Lauertalbahn einen eigenen Bahnhof (Munitionsanstalt Rannungen-Rottershausen) und eine Bedarfshaltestelle (Abzweigstelle Rannungen).

Unser Name Tschorn

Der Familienname Tschorn wurde in dieser und anderen Schreibvarianten erstmals im späten Mittelalter verwendet, als auch in Deutschland Beinamen zu den Rufnamen zunehmend verbreiteter wurden. Er stammt wie unsere direkten Tschorn-Vorfahren ursprünglich aus Niederschlesien. Nachweisen lässt der Name Tschorn sich heute hauptsächlich in den im 16. Jahrhundert auch in Schlesien verpflichtend eingeführten Kirchenbüchern, die 1876 schließlich von den standesamtlichen Personenstandsregistern in ihrer rechtlichen Bedeutung abgelöst wurden. Der älteste in den Kirchenaufzeichnungen auftretende Tschorn-Namensträger war nach dem gegenwärtigen Forschungsstand der 1571 in Paritz (heute Parzyce) bei Bunzlau (heute Boleslawiec) geborene Georg Tschorn. Auch in Herzogswaldau (heute Milików) bei Bunzlau kam der Name Tschorn oft in den Kirchenbüchern vor.

Das Reichstelefonbuch von 1942, welches flächendeckend etwa 4,5 Prozent der damaligen Gesamtbevölkerung des Großdeutschen Reichs umfasste, listet zwölf Telefonteilnehmer mit dem Familiennamen Tschorn auf. Diese waren mehrheitlich in Niederschlesien und im Ruhrgebiet beheimatet. Dazu muss man wissen, dass viele Schlesier und Polen gegen Ende des 19. Jahrhunderts in das Ruhrgebiet übersiedelten, wo der Bedarf an Arbeitskräften aufgrund der Industrialisierung stark angestiegen war.

Heutzutage kommt der Familienname Tschorn laut dem Onlineportal "Forebears" 838 Mal in Deutschland vor. Dazu jeweils 89 Mal in Australien und den USA. Von diesen und ganzen elf Tschorn-Namensträgern in fünf anderen europäischen Ländern einmal abgesehen kommt der Name bei "Forebears" weltweit sonst überhaupt nicht vor. Onlineportale, die Telefonbücher bzw. die Anzahl von Telefonanschlüssen auswerten, finden den Nachnamen Tschorn in Deutschland um die 300 Mal. In den aktuellen Datenbeständen des populären Namenforschers Prof. Dr. Jürgen Udolph erscheint der Name Tschorn 345 Mal im deutschen Sprachgebiet. Pro Eintrag sei hier von etwa 2,8 und folglich von insgesamt rund 1.000 Namensträgern in den deutschsprachigen Ländern auszugehen.

Der Zuname Tschorn kommt heute relativ flächendeckend mit einer jeweils nur geringen Menge in Deutschland vor. Diese Fleckenteppiche gelten bei eher seltenen Nachnamen als Beweis für den Umstand, dass viele Träger des Namens eine Flucht bzw. Vertreibung, hier im Fall der Tschorns eben ab 1945 aus Niederschlesien, hinter sich haben. Lediglich im Niederschlesien am nächsten gelegenen Ostsachsen gibt es eine ganz kleine Konzentration an Tschorn-Namensträgern.

Gemäß dem Werk "Schlesisches Namenbuch" von Dr. Hans Bahlow aus dem Jahr 1953 wurde mit "Tschorn" ursprünglich mal ein schwarzhaariger Mann bezeichnet. Dieser Definition zugrunde liegt das alte sorbische Wort "corny" für schwarz. Im erstmals um das Jahr 900 erwähnten Breslau (heute Wroclaw) traten einst die Namen "Czorn" und "Czornchin" auf, in Liegnitz im Jahr 1381 "Schornechyn". Liegnitz (heute Legnica) wurde im Jahr 1004 erstmals erwähnt und liegt übrigens am Fluss Schwarzwasser (heute Czarna Woda).

Abseits der genannten Schlussfolgerungen von Historikern liefern die deutschen Verlustlisten des Ersten Weltkriegs gute Hinweise auf die Verbreitung des Namens Tschorn. Da die männliche deutsche Bevölkerung relativ gleichmäßig von Kriegstoten betroffen war, kann man aus diesen Verlustlisten schließen, wo im Deutschen Reich ein Familienname um die Jahrhundertwende oft vorkam. Demgemäß gab es um das Jahr 1895 nur zwei Tschorn-Zentren sowohl im ehemaligen Fürstentum Schweidnitz (heute Swidnica) in Niederschlesien als auch im gesamten Deutschen Reich. Zu nennen ist hauptsächlich die Gegend um die Stadt Hirschberg (heute Jelenia Góra) mit einem Schwerpunkt in derem jetzigen Stadtteil Schwarzbach (heute Czarne), womit wir auch hier einen Bezug zur Farbe schwarz haben. Auch um die gut 50 Kilometer davon entfernte Stadt Waldenburg (heute Walbrzych) gab es demnach viele Tschorns. Interessanterweise wurde auch der "Schwarze Berg" bei Waldenburg, der heute den Namen "Czarna" trägt, bis 1945 tatsächlich offiziell "Tschorn" genannt. Der 467,4 Meter hohe Berg liegt oberhalb des Flusses Goldener Bach (heute Zloty Potok) im Dreieck zwischen den Ortschaften Dittmannsdorf (heute Dziecmorowice), Hohgiersdorf (heute Modliszów) und Goldene Waldmühle (heute Zloty Las).

Ob Schwarzhaariger, Schwarzwasser, Schwarzbach oder Schwarzberg - die Wurzel der "schwarzen Tschorns" liegt in Niederschlesien. Und zwar in mehreren Orten, folgt man der Deutung des Namenforschers Prof. Dr. Jürgen Udolph. Er geht nicht davon aus, dass es einst einen einzigen ersten "Stammvater" mit dem Namen Tschorn gab. Vielmehr sei der Familienname Tschorn in mehreren, voneinander unabhängigen Fällen im schlesischen Sprachraum entstanden. Er klassifiziert ihn nämlich als sogenannten "Übernamen". Diese verweisen auf bestimmte Lebensumstände, wie zum Beispiel auf die Geburt, auf Abhängigkeits- und Dienstverhältnisse oder auf einmalige Begebenheiten. Ebenso wurden sie Menschen aufgrund von charakterlichen, geistigen oder äußerlichen Merkmalen als Beiname verliehen. In diesem Falle eben aufgrund des schon genannten schwarzen Kopfhaars. Und Schwarzhaarige dürfte es in Schlesien sicherlich eine Menge gegeben haben.

Ergänzend zur schon genannten ersten Definition von Dr. Hans Bahlow von 1953 ist der Familienname Tschorn für Prof. Dr. Jürgen Udolph eine Eindeutschung der westslawischen Namensform "Czorn", welche in dieser Form in polnischen Quellen bereits im Jahre 1414 belegt ist. "Czorn" ist demnach eine Verkürzung von "Czorny" und geht auf "Czarny" zurück. Diese Namensform für schwarz variiert in den Sprachen, die für Schlesien in Frage kommen, nur geringfügig: obersorbisch "Corny", niedersorbisch "Carny", polnisch "Czarny" und tschechisch "Cerný". Hinzu kommt, dass das polnische "a" in der schlesischen Mundart typischerweise zu "o" verdunkelt wurde, was sich auch an der heutigen Verteilung der Namen "Czorny" und "Czarny" in Polen gut erkennen lässt: "Czorny" (381 Namensträger) ist heute fast ausschließlich in Niederschlesien verbreitet, während "Czarny" (2.895 Namensträger) gegenwärtig in ganz Polen auftritt. In Tschechien übrigens kommt "Cerný" laut dem Onlineportal "Forebears" gleich 17.423 Mal vor.

Für Prof. Dr. Jürgen Udolph ist es somit nicht sicher entscheidbar, ob im Fall von "Tschorn" ein ursprünglich polnischer Name einst im schlesischen Sprachraum verändert wurde, oder aber ein obersorbischer Name zugrunde lag, da sich sowohl polnisch "Czorn" als auch sorbisch "Corn" nachweisen lassen. Was jedoch auch nach ihm auf jeden Fall sicher ist: Die Wurzel der deutschsprachigen "Tschorns" unter exakt dieser Schreibvariante liegt in Niederschlesien.

Ob es sich bei den direkten Tschorn-Vorfahren um Deutsche handelte, die im 13. Jahrhundert Schlesien besiedelten und dann irgendwann so genannt wurden? Oder gar um "alte Germanen", die schon in den Jahrhunderten vor und nach dem Beginn unserer heutigen Zeitrechnung in Schlesien heimisch wurden? Oder doch um Westslawen, die mit der Völkerwanderung um 550 bis 600 nach Christus Schlesien besiedelten? Beantworten lassen sich diese Fragen heute leider nicht mehr. Fesselnd interessant sind die möglichen Antworten dennoch.

Die Westslawen übrigens, aus denen sich später u. a. die Polen, Slowaken, Sorben und Tschechen formierten, siedelten bis ins frühe Mittelalter in den Gebieten zwischen den Flüssen Elbe und Saale im Westen, den Prypjetsümpfen im Osten, der Ostsee im Norden und der Theißebene im Süden. Durch den Einfall der Magyaren in die Theißebene im 10. Jahrhundert wurden sie räumlich von den Gebieten der Südslawen abgetrennt. Die Trennung zu den Ostslawen erfolgte bereits ab dem 9. Jahrhundert während der Christianisierung. Anders als bei den byzantinisch geprägten Ostslawen erfolgte die Christianisierung der Westslawen über römisch-katholische Missionare. Als gesamtslawische "Urheimat" vermuten insbesondere Sprachforscher einen Raum in der heutigen Ukraine nördlich der Karpaten zwischen oberer Weichsel, mittlerem Dnepr und Desna.

Unser Urururgroßvater Friedrich Traugott Tschorn wurde übrigens 1840 im niederschlesischen Dorf Ober-Tannhausen, auch Blumenau genannt, als zweiter Sohn des Böttchermeisters und Hausbesitzers Johann Gottfried Tschorn und seiner Ehefrau Johanne Henriette Tschorn (geb. Wenzel) geboren. Heute ist Tannhausen bei Waldenburg als Jedlinka ein Stadtteil von Jedlina-Zdrój, ehemals Bad Charlottenbrunn. Friedrich Traugott Tschorn heiratete 1872 in Dresden, wo er und seine Nachfahren sesshaft wurden. Der Porzellanmaler verstarb 1908 in der sächsischen Hauptstadt. Unser Tschorn-Familienzweig wanderte später nach Forchheim in Oberfranken aus.
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